„Teildisziplinen der energieeffizienten Gebäudeplanung werden stärker in den Mittelpunkt rücken (Wärmebrückenbewertungen, thermische Simulationen von Solaranlagen etc.), so dass das Grundprinzip „Die EnEV belohnt planerischen Sachverstand“ an Bedeutung gewinnt. Das Effizienzhaus ist immer nur so gut wie sein Konzept.“

Die Dämmstärke einer Außenwand oder eines Dachaufbaus zu bestimmen, ist das eine, sich aber mit allen vorhandenen Anschlusssituationen und deren Optimierung auseinanderzusetzen, schon etwas ganz anderes (sozusagen die KÜR in der Energieberatung). Und dies geschieht ganz zum finanziellen Vorteil des Kunden. Faktisch bedingt schon heute der aktuelle KfW-Effizienzhaus-55-Standard eine detaillierte Wärmebrückenbewertung, um wirtschaftlich sinnvolle und vertretbare Lösungen erarbeiten zu können. Dies soll nachfolgendes Beispiel aufzeigen. Bei der Bewertung von Wärmebrücken lässt die Energieeinsparverordnung mehrere Vorgehensweisen zu, die von pauschalen Ansätzen bis zu dem detaillierten Einzelnachweis reichen:

  1. Im Regelfall:

                  ∆ UWB = 0,10 W/m²K

  1. Wenn mehr als 50 % der Außenwand mit einer innen liegenden Dämmschicht und einbindender Massivdecke versehen sind:

                  ∆ UWB = 0,15 W/m²K

  1. Bei vollständiger energetischer Modernisierung aller zugänglichen Wärmebrücken unter Berücksichtigung des Beiblatts 2 der DIN V 4108:

                  ∆ UWB = 0,05 W/m²K

  1. Durch genauen Nachweis der Wärmebrücken nach DIN V 4108-6:2000-11 in Verbindung mit DIN EN ISO 10211
  2. Bei Einhaltung der geometrischen Vorgaben an die Gebäudehülle und der Wärmebrückenempfehlungen der KfW-Merkblätter:

∆ UWB = 0,035 – 0,025 W/m²K

 

  

 

Dieses Gebäude soll als KfW-55-Gebäude errichtet werden. Als erster Schritt ist natürlich ein entsprechendes Gebäudeaufmaß vorzunehmen und alle relevanten Bauteile sind aufzunehmen und zu bewerten. In diesem Beispiel wurden bereits für alle wichtigen Bauteile (Wand, Bodenplatte, Fenster, Dach) Angebote eingeholt. Nach Ermittlung des Transmissionswärmeverlustes der Gebäudehülle und des Primärenergiebedarfs ergab sich folgendes Bild (ohne Berücksichtigung von Wärmebrücken – also die Annahmen eines pauschalen Ansatzes): 

 

 

Die Anforderungen an die EnEV können eingehalten werden, nicht aber die Effizienzkriterien der KfW.

 

Im nächsten Schritt wird davon ausgegangen, dass sämtliche Anschlusssituationen nach dem Beiblatt 2 der DIN V 4108 ausgeführt werden (konkret halbieren sich somit die Wärmebrückenverluste): 

 

 

Nun würde zumindest die erste Förderstufe der KfW erreicht, die allerdings mittlerweile aus dem Angebot der KfW verschwunden ist.

 

Als Drittes wird ein weiter reduzierter Wärmebrückenfaktor angesetzt. Diese Möglichkeit wurde von der KfW geschaffen – ist allerdings an eine geometrische Gestaltung der Gebäudehülle gekoppelt: 

 

 

Durch diese Maßnahme erreichen wir zumindest schon den erforderlichen Transmissionswärmeverlust der Gebäudehülle. Der Primärenergiebedarf übersteigt noch die Zielsetzung des Effizienzhauses 55.

 

In einem letzten Schritt bestimmen wir die detaillierten Wärmeverluste sämtlicher Wärmebrücken in dem Projektgebäude:

 

 

Neben dem Erreichen des Effizienzhausstandards 55 konnte die Dämmstärke der Bodenplatte und des Dachaufbaus reduziert werden und ein anderer Stein für den Wandaufbau ausgewählt werden. Für den Bauherrn bedeutet also eine detaillierte Wärmebrückenberechnung eine Kostenreduktion bei den Baumaterialien, einhergehend mit der Möglichkeit der Ausschöpfung von Fördermitteln durch die KfW-Bank!

 

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